Tobi
Mein Vater hält seit sechs Jahrzehnten Bienen – dadurch hatte ich im Grunde schon mein Leben lang Berührungspunkte mit der Imkerei.
Anfang 2019 beschlossen meine Freundin und ich, offiziell in den Imkerverein einzutreten um ihn tatkräftig zu unterstützen.
Nach etwa zwei Jahren aktiver Arbeit erlitt ich einen anaphylaktischen Schock nach einem Bienenstich. Seitdem mache ich eine Fünf-Jahres-Hyposensibilisierungstherapie, von der ich mittlerweile drei Jahre erfolgreich hinter mich gebracht habe. Ob ich danach wieder uneingeschränkt an den Völkern arbeiten kann, wird sich nach Abschluss der Therapie zeigen
Lydia
Ich habe die Imkerei von meinem Vater gelernt, der seit 1976 auf unserem Bauernhof in Neuenrade Bienen hielt. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Ist sie aber nicht.
Mein Vater hat die Imkerei als junger Mann in Weiterstadt erlernt. Er war dort beruflich tätig und wohnte bei Heinrich Petri und seiner Ehefrau, meiner späteren Patentante „Tante Maja“. „Onkel Petri“ war Mitbegründer des zur damaligen Zeit sehr renommierten Carnica-Reinzuchtgebietes Weiterstadt. Von der dortigen Belegstelle wurde Zuchtmaterial weltweit verschickt und auch an die namhaften Bieneninstitute in Deutschland geliefert. Die Reinzüchter in Weiterstadt legten großen Wert auf Selektion. Königinnen wurden unter dem Mikroskop künstlich besamt, es wurde von Hand umgelarvt, gekört, Flügelindex gemessen, Haarlänge, Filzbindenbreite, etc. Die Bienen wurden auf Sanftmut, Wabenstetigkeit und Ertrag gezüchtet.
Ziel der Auslese sollte die perfekte sanfte Apis Mellifera Carnica sein. Das war für Heinrich Petri mehr als ein Hobby, es war für ihn Berufung und Lebensaufgabe. Ich habe immer noch das Leuchten in seinen Augen in Erinnerung, wenn er über Bienen sprach – eine Begeisterung und Leidenschaft, die einfach ansteckend war – ein Funke, der sowohl auf meinen Vater als auch auf mich als Kind übergesprungen war.
Mein Vater bezog stets weiterhin seine Königinnen aus Weiterstadt. So habe ich in meiner Jugend nur Bienen kennengelernt, die man im Badeanzug durchsehen konnte, die so sanft waren, dass sie so gut wie nie stachen. Die „Sauerländer-Feld-Wald-und Wiesen-Biene“ habe ich erst 2013 kennengelernt, als ich mir zwei Bienenstöcke für meinen Garten in Balve kaufte.
Ich habe mich selbst bewusst gegen den Bezug von Reinzucht-Königinnen entschieden, weil ich diese Form von extremem Perfektionismus nicht teile und vermute, dass sich die Natur wohl etwas dabei gedacht hat, dass Hybrid-Bienen ohne strenge Selektion stechlustiger und agiler sind. Für mich sind Bienen wundervolle Geschöpfe der Natur – ob sie nun perfekt graue Ringe haben oder nicht. Meine stechfreudigen „Sauerländer-Feld-Wald-und Wiesen-Bienen“ sind von dem Prototyp der reinrassigen, perfekten Carnica weit entfernt, aber ich möchte die Faszination an diesen Tieren und das Andenken an Züchter wie Heinrich Petri, die zur Verbreitung der Carnica beigetragen haben, für unsere und zukünftige Generationen bewahren.
René
Zu den Bienen bin ich völlig ungeplant und überraschend gekommen, ohne jede Vorahnung und damit ohne jede Vorkenntnis.
Als damals 1997 unser damaliger Nachbar Hans verstarb, hinterließ er seiner Frau unter anderem 4 vitale Bienenvölker. Tante Lotte hatte Not, wollte sie doch zu ihrem Sohn nach Bonn ziehen, nachdem sie nun allein war in dem großen Haus am Ende der Welt, in Röhrenspring. So bat sie meinen Vater und mich, uns doch der Bienen anzunehmen. Es sei sicher gar nicht schwer, die meiste Arbeit machten die Bienen selbst, man müsse im Prinzip nur ein-, zweimal im Jahr Honig ernten und im Herbst etwas füttern.
So ließen wir uns überzeugen und im Frühjahr wechselten vier Bienenvölker in Freudenstein-Hinterbehandlungsbeuten die Straßenseite, um auf der Obstwiese einen neuen Standplatz zu beziehen.
Natürlich war es nicht ganz so leicht, wie Lotte es uns weismachen wollte, doch wir konnten mit Hilfe uralter Fachliteratur, vielen Beobachtungen und sicher auch nach einigen Fehlern im Sommer tatsächlich ein wenig Honig ernten. Wir lernten schon bald Schwärme zu fangen, hörten Jungköniginnen kurz vor dem Schlupf „tröten“, wussten Drohnen und Arbeiterinnen zu unterscheiden. Wir waren mit dem „Bienenvirus“ infiziert.
Als ich 2010 nach Balve zog, zogen einige der Völker mit. Ableger bringe ich manchmal noch nach Röhrenspring. Auf die Obstwiese, wo alles seinen Anfang nahm.
Katrin
Ich habe meine ersten zwei Bienenvölker am 20.04.2010 bekommen.
Über das Imkern nachgedacht hatte ich schon länger. An der VHS wurden Imkerkurse angeboten und ich hatte schon zwei Jahre überlegt daran teilzunehmen. Man hörte viel über Bienen, Bienensterben, meine Tochter hatte eine Hausaufgabe über Bienen zu erledigen, wodurch ich ein erstes Treffen mit einem Imker hatte. Und dabei kann man Feuer fangen, durch Gespräche mit begeisterten Imkern.
Eigentlich wollte ich mich nur über die Bienenhaltung informieren beim VHS-Kurs und dann weiter nachdenken. Alle Teilnehmer des Imkerkurses hatten entweder schon Bienen oder waren fest entschlossen Völker zu kaufen. Und so kam die unausweichliche Frage: Was ist mit dir? Nachdem sich der erste Schreck gelegt hatte, Ich????, begann ich alles abzuwägen. Schaffe ich das alles, Kinder, Arbeit, Haus, Garten? Den Schalter umgelegt hat dann meine damals 12jährige Tochter. Ja, Mama, mach das, ich helfe dir auch.